Folsäure in der Schwangerschaft: Warum das Vitamin so früh zählt
Folsäure gehört zu den wenigen Nährstoffen, für die es eine klare, gut belegte Empfehlung gibt – und zwar schon, bevor der Schwangerschaftstest positiv ist.
Folsäure ist die synthetische Form von Folat, einem wasserlöslichen Vitamin aus der B-Gruppe (Vitamin B9). Der Körper braucht es überall dort, wo Zellen sich schnell teilen und neu gebildet werden – also besonders in den ersten Wochen einer Schwangerschaft, wenn aus wenigen Zellen ein ganzer Organismus entsteht. Eine ausreichende Versorgung senkt nachweislich das Risiko für sogenannte Neuralrohrdefekte beim Kind.
Was das Neuralrohr mit Folat zu tun hat
Das Neuralrohr ist die embryonale Anlage, aus der sich Gehirn und Rückenmark entwickeln. Es schließt sich sehr früh – etwa zwischen dem 22. und 28. Tag nach der Befruchtung. Schließt es sich nicht vollständig, kann es zu Fehlbildungen wie einer Spina bifida („offener Rücken") kommen. Entscheidend ist: Dieser Zeitraum liegt so früh, dass viele Frauen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Genau deshalb setzt die Empfehlung schon vor der Empfängnis an.
Wie viel Folsäure wird empfohlen?
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen Frauen mit Kinderwunsch, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung ein Präparat mit 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag einzunehmen. Diese Zusatzeinnahme sollte mindestens vier Wochen vor der Empfängnis beginnen und im ersten Schwangerschaftsdrittel fortgesetzt werden. Wird die Schwangerschaft ungeplant festgestellt, gilt: so früh wie möglich beginnen.
Frauen, die in einer früheren Schwangerschaft ein Kind mit Neuralrohrdefekt hatten oder bestimmte Medikamente einnehmen, benötigen unter Umständen eine deutlich höhere Dosis. Das ist ausdrücklich eine Frage für die ärztliche Beratung und keine Selbstmedikation.
Folat aus Lebensmitteln – die Basis
Ein Präparat ersetzt keine ausgewogene Ernährung, sondern ergänzt sie. Besonders folatreich sind:
- grünes Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat und Grünkohl
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen
- Kohlgemüse wie Brokkoli und Rosenkohl
- Vollkornprodukte, Weizenkeime und Nüsse
- Eier sowie Obst wie Orangen
Folat ist allerdings empfindlich: Es reagiert auf Hitze, Licht und langes Wässern. Wer den Gehalt schonen will, gart Gemüse kurz und mit wenig Wasser oder isst es teils roh. Über die Ernährung allein den erhöhten Bedarf in der Frühschwangerschaft sicher zu decken, ist in der Praxis schwierig – deshalb die klare Empfehlung zur ergänzenden Einnahme.
Häufige Fragen kurz beantwortet
Kann man zu viel Folsäure nehmen? Bei den empfohlenen 400 Mikrogramm besteht kein Grund zur Sorge. Sehr hohe Dosen über längere Zeit sollten aber nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen, da sie unter anderem einen Vitamin-B12-Mangel verschleiern können.
Reicht ein normales Multivitaminpräparat? Nur, wenn es die passende Menge Folsäure enthält. Viele spezielle Schwangerschaftspräparate sind entsprechend dosiert und enthalten oft zusätzlich Jod und weitere relevante Nährstoffe.